#Niederrheinpokal: 0:2 n.V. – Schonnebecker Werbung an der Hafenstraße

Der Traum vom ganz großen Wurf im Niederrheinpokal ist für die Spielvereinigung Schonnebeck zerplatzt. Mit 0:2 (0:0 / 0:0) unterlag die Mannschaft von Dirk Tönnies vor 3.270 Zuschauern zwar beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen. Allerdings hatten die Grün-Weißen den Stadtnachbarn am Rande der Sensation und über weite Strecken für den Fußball am Schetters Busch mächtig Werbung betrieben.

Denn der favorisierte Regionalligist tat sich gegen den kampfstarken Oberligazweiten sehr schwer. Zwar kontrollierte RWE weitgehend das Geschehen, doch vor dem Schonnebecker Tor waren die Gastgeber nicht effektiv genug. Nach vier Minuten hatte Kamil Bednarski die erste Chance, doch dessen Lupfer über André Bley klärte Matthias Bloch auf der Linie zur Ecke (5.).

Nach 13 Minuten hatte RWE-Schlussmann Robin Heller Riesenglück, denn nach einer kurz ausgeführten Ecke kam der Ball zu Georgios Ketsatis, der aus zehn Metern nur den Pfosten traf. Vor allem war es aber Marc Enger, der die rot-weisse Hintermannschaft beschäftigte. Die erste richtig dicke Chance für Rot-Weiss hatte Angreifer Marcel Platzek nach einer halben Stunde, allerdings scheiterte er am sehr gut aufgelegten Schonnebecker Torhüter André Bley. Einmal zappelte der Ball dann doch im Netz, Platzek hatte eine Flanke von Kevin Grund eingeköpft, stand dabei allerdings im Abseits.

Auch nach der Pause begannen die „Roten“ entsprechend der Favoritenrolle und Schonnebeck wartete ab. Und wie in Durchgang eins dauerte es rund zehn Minuten, bis auch die Spielvereinigung wieder aufdrehte. Trainer Tönnies fand zusehend Gefallen am Spielerlauf und dem anhaltenden 0:0. Der Demandt-Elf fiel wenig ein, um den zwingend vor das Schonnebecker Tor zu gelangen.

Kurz vor Abpfiff der regulären Spielzeit wäre die Sensation dann doch noch geglückt. Aktivposten Enger, der nach einem Zusammenprall mit RWE-Torwart Heller in der 43. Minute mit einer Platzwunde auf dem Kopf agierte, hätte das erlösende 1:0 markieren können: Damian Bartsch tankte sich auf links durch und steckte durch zu Enger, der sich in Gerd-Müller-Manier um den großgewachsenen Philipp Zeiger drehte, allerdings  aus kurzer Distanz am Schlussmann des Regionalligisten scheiterte (85.).

Somit mussten beide Teams in die Verlängerung. Da verließen den Underdog dann endgültig die Kräfte. Wadenkrämpfe und schwere Oberschenkel waren die Folge. Logischerweise aber auch dicke Chancen für RWE. Die erste von Bednarski lenkte Bley noch mit den Fingerspitzen über die Latte (99.). Beim Schuss zum 1:0 von Kasim Rabihic von der Strafraumkante unter die Latte war das Eis dann aber gebrochen (107.). Mit dem Schlusspfiff markierte RWE-Kapitän Benjamin Baier den 2:0-Endstand.

„Ich bin riesig stolz auf meine Truppe, die 120 Minuten einem sehr starken Regionalligisten Paroli geboten hat“, fasste Dirk Tönnies zusammen. „Wir haben damit gerechnet, dass wir nach 70, 75 Minuten physisch abbauen, konnten aber selbst in der Verlängerung noch gegenhalten und haben immer noch Nadelstiche setzen können. Mich als Trainer macht es dann mächtig stolz, an so einem Abend dabei zu sein, wenn man noch sieht, was für eine Begeisterung da bei uns auf der Tribüne war. Der halbe Stadtteil war unterwegs. Nichtsdestotrotz ist es natürlich ärgerlich, dass man so spät die zwei Tore kassiert. So ein bisschen hatten wir natürlich noch aufs Elfmeterschießen gehofft.“

Auch gegen einen kürzeren Abend an der Hafenstraße hätte Tönnies nichts einzuwenden gehabt: „Wenn in der 87. Minute Marc Enger das 0:1 macht, dann gehen wir sogar als Sieger vom Platz. Dann hätten wir auch eine halbe Stunde eher hier gesessen, auch wenn mein Trainerkollege das nicht so gerne gesehen hätte, dann wären wir natürlich noch glücklicher. Dennoch glaube ich, dass wir moralischer Sieger sind, wir haben einen riesen Fight abgeliefert“

Sein angesprochener Trainerkollege, Sven Demandt, war deutlich weniger begeistert vom Verlauf des Abends: „Es ist genau das Spiel geworden, das wir eigentlich nicht wollten. Wir haben ganz einfach verpasst, in der ersten Halbzeit in Führung zu gehen. Und je länger es eben 0:0 steht, umso schwieriger wird es dann für uns, weil dann die Unruhe bei den Jungs, aber auch außerhalb, immer größer wird. Wir sind in der ersten Halbzeit bestimmt sechs, sieben, achtmal außen durchgewesen, haben jedoch dann in der Mitte nie einen getroffen oder die falsche Lösung gewählt. Deshalb haben wir auch kein Tor gemacht. Nichtsdestotrotz wussten wir: So lange wir keinen kriegen, haben wir noch Zeit einen zu machen. Mir hat es ein bisschen zu lange gedauert. Bei der Chance für Schonnebeck in der 87. Minute hatten wir natürlich ein bisschen Glück. Unterm Strich ist der Sieg aber verdient.“

Der Schonnebecker Mannschaft liegt sehr viel daran, sich auch auf diesem Wege noch einmal bei allen zu bedanken. „Wenn wir ein Wort sagen müssten, wäre es ‚Weltklasse‘! Wir sind mega stolz auf Euren Support und fahren erhobenen Hauptes nach Hause. Natürlich war mehr drin, aber am Ende wurden die Wege lang. Gratulation an Rot-Weiss Essen! Jetzt müsst Ihr den Pokal nach Essen holen! Danke an alle 3.270 Zuschauer! Es war ein unvergessliches Erlebnis… Ihr seid alle jederzeit am Schetters Busch willkommen! Viele Grüße, DIE MANNSCHAFT“, ließ sie mit dem Bild aus der Kabine noch am Abend auf der Facebook-Vereinsseite vermelden.

Für die Spielvereinigung kehrt bereits am kommenden Sonntag der Oberliga-Alltag wieder ein. Dann gastiert am Schetters Busch der SC Kapellen-Erft. Der Anpfiff erfolgt um 15 Uhr. Wer also noch nicht genug vom Schonnebecker Fußball hat… Wir sind da!

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Rot-Weiss Essen: Heller – Becker (103. Malura), Zeiger, Meier, Grund – Ivan (91. Ngankam), Baier, Brauer (70. Löning), Rabihic – Platzek, Bednarski.

SpVg Schonnebeck: Bley – Patelschick, von der Gathen, Bloch, Ketsatis – Denker, Heppke – Reimann (67. Rami), Bartsch (92. Barrera), Barra – Enger (100. Ünal).

Schiedsrichter: Sven Heinrichs.

Tore: 1:0 Rabihic (107.), 2:0 Baier (120.).

Zuschauer: 3.270.