Kai von der Gathen im Interview – „Die Rückmeldungen sind der komplette Wahnsinn“

27 Jahre jung, drahtig, sehnig und voll im Saft! So lässt sich Schonnebecks Abwehrspieler Kai von der Gathen bestens beschreiben. Doch der 1,89-Meter-Hüne sackt immer wieder zusammen und ist den Tränen nah, als wir uns nach der MRT-Untersuchung mit ihm über seine schwere Verletzung unterhalten. Ein Meniskusriss wurde festgestellt. Viel schlimmer ist allerdings der ebenfalls diagnostizierte Knorpelschaden. Dieser kann von der Gathen im schlimmsten Fall das liebste Hobby nehmen – den Fußball!

Kai, die Vorbereitung lief eigentlich ganz ordentlich für dich. Du warst topfit und dann der Zusammenprall im Training… Wie hast du den wahrgenommen?

Ich habe vor der Vorbereitung meine komplette Ernährung umgestellt und bin vier- bis fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio gegangen. In zehn Wochen habe ich 14 Kilogramm abgenommen und fühlte mich topfit. Ich wollte dieses Jahr meine Leistung noch mal toppen und habe mir viel vorgenommen. Dann kam der Zusammenprall, der zu der Verletzung geführt hat. Ich habe erstmal gedacht, es sei nicht so schlimm. Wie das ausgegangen ist, ist ja leider bekannt…

Leider ja… Du bist in Wuppertal unter der Leitung von Dr. Kai Ruße in Behandlung. Lange war ja auch für das Ärzte-Team nicht klar, woher die Schmerzen kommen. Nun die traurige Gewissheit. Wie hast Du die Diagnose aufgenommen?

Seit einigen Tagen ist die Diagnose ja nun bekannt und es fühlt sich immer noch wie im Traum an. So recht weiß ich auch gar nicht, was ich sagen soll, weil ich es noch nicht begreifen kann, es ist einfach unreal. Der Gedanke daran, das ich mich je nach op Verlauf komplett aus dem Leistungssport zurück ziehen muss, ist unvorstellbar.

Unfassbar! Du bist erst 27 Jahre jung eine von zwei Optionen bedeutet das Ende Deiner aktiven Laufbahn. Was muss denn passieren, dass es dazu kommt und wie groß sind die Chancen auf den schlimmsten Fall, den wir alle natürlich nicht erhoffen? Andere Sportler kommen nach einem Meniskusriss doch auch wieder zurück…

Der Meniskusriss ist noch das kleinste Problem. Der Knorpelschaden ist der Knackpunkt! Am 15. September wird geschaut, wie groß der Schaden ist. Dann können die Ärzte erst sehen, was die weiteren Schritte sind. Unter Umständen reden wir von zwei Eingriffen und einer dazugehörigen Knorpeltransplantation. Das wäre der schlimmste Fall, von dem niemand ausgehen möchte. Für den 15. September brauche ich also viele Gebete, damit es nicht so weit kommt!

Die Gebete werden dir sicher sein. Erst recht, wenn man der Resonanz Glauben schenken darf, die in den sozialen Netzwerken auf den Vereinsseiten zurückkam, wirst du einige Fürsprecher haben, die an dem besagten Freitag eine Kerze für Dich anzünden. Wie hast Du die Rückmeldungen wahrgenommen?

Die Rückmeldungen, die ich per Facebook, Whatsapp oder per Telefon bekommen habe, sind der komplette Wahnsinn! Es haben sich weit über 100 Freunde, Bekannte und auch Fans bei mir gemeldet. Ich habe jede einzelne Nachricht wahrgenommen und bin darauf total stolz! Sowas tut richtig gut und gibt eine Menge Kraft für die bevorstehende Aufgabe.  Wenn es irgendeine kleine Chance geben sollte, dass ich zurückkommen kann, dann werde ich sie auch nutzen! Das bin ich den Leuten, die so sehr an mich glauben, einfach schuldig! Allen voran natürlich meine Frau, die mich hier zu 100 Prozent unterstützt und meine schlechte Laune aushalten muss und das zum Ende der Schwangerschaft. Ich glaube, auch in diese Richtung ist nach dem anstehenden Stress mal ein fettes Dankeschön fällig.

Dein Kämpferherz wird deine Freunde und die der Spielvereinigung sicher positiv stimmen. Du saugst gerade auch sehr viel Kraft aus der Unterstützung Deiner Familie. In gut zwei Wochen ist es soweit. Dann kommt Deine zweite Tochter Hannah auf die Welt. Hilft der Geburtstermin dabei, wenigsten ein bisschen den anderen Termin zu verdrängen? Oder willst Du den gar nicht zur Seite schieben, sondern Gas geben und endlich grünes Licht für Deine persönliche Aufholjagd bekommen?

Ich würde lügen, wenn die Gedanken nicht bei der OP sind. Aber wir freuen uns total auf den bevorstehenden Geburtstermin. Alles andere muss jetzt erstmal hinten anstehen. Wenn die kleine Maus da ist, werden wir die Zeit ohne Krücken sehr genießen. Danach fängt die Arbeit an.

Dann entlassen wir Dich an dieser Stelle auch zu Deiner Familie und drücken Dir für die erste – und hoffentlich einzige – OP die Daumen. Deiner Frau wünschen wir für den Geburtstermin natürlich auch alle erdenklich Gute und Euch gemeinsam dann eine schöne Zeit zu viert.

Vielen lieben Dank an alle und Sonntag wünschen wir uns als Familie drei Punkte von der Mannschaft!